Wirbellosenwelt

 

Tylomelania orange sind außergewöhnlich schöne und farbenprächtige Schnecken. Sie stammen aus dem Pososee auf Sulawesi (Insel in Indonesien, früher Celebes genannt). Leider ist die Tylomelania orange noch nicht näher bestimmt, im Internet wurde sie im Laufe der Zeit mit verschiedenen Namen etabliert: Tylomelania sp. orange, Tylomelania sp. neon, Tylomelania Rocksnail orange, gelbe Felsschnecke, gelbe Turmdeckelschnecke...

Ich halte verschiedene Arten von Tylomelania, aber diese Art ist in neben der "polka dot" eine der attraktivsten.  

Tylomelania orange Herkunft: Sulawesi, Indonesien
Temperatur: mind. 26 Grad
Wasserwerte: weiches bis mittelhartes Wasser (siehe unten)
ph-Wert: 7,5 - 8,5
Geschlechter: 

getrennt geschlechtlich, Geschlecht optisch nicht erkennbar

 

Tylomelani und ich:

Nachdem diese wunderschönen Schnecken in der Datz vorgestellt wurden, habe ich mich erst nach langem Einlesen in die Foren dazu entschlossen, auch welche zu halten. Wie sich herausstellte habe ich mich ohne Grund gesorgt, denn Tylomelania orange sind einfach zu pflegen.

Von einer Züchterkollegin habe ich Mitte 2009 die ersten Tylomelania erhalten. Es waren die normalen „sp. yellow“ und eine „white spotted“. Ich hatte sie anfangs in hartem Wasser mit knapp 700 Microsiemens, weil sie bei der Züchterin auch in Wasser mit diesen Werten gehalten und gezüchtet wurden. Die Temperatur lag bei etwa 27 – 28 Grad, der ph-Wert bei ca. 8,1 – 8,3.

Schon wenige Tage nach dem Einsetzen habe ich die ersten beiden Babys entdeckt und war absolut happy. Mittlererweile weiß ich aber, dass diese "spontanen Babys" oft durch den Streß des Umsetzens forciert werden und nichts damit zu tun haben, ob sich die Tiere wohl fühlen oder nicht.

Trotzdem entwickelten sich die Babys prächtig. Als ich dann bei einem Händler wunderschön gefärbte und agile Tylomelania sp. orange fand, mußte ich die einfach haben. Obwohl ich diese Tiere noch vorsichtiger umgesetzt habe, konnte ich auch diesmal 2 Tage nach dem Umsetzen ein Baby entdecken. Auch hier befürchte ich, dass das dies mit dem Streß beim Umsetzen zusammenhängt. Scheinbar waren aber alle Babys überlebensfähig und entwickelten sich sehr gut. 

Kurze Zeit später konnte ich sogar beobachten, wie sich ein Baby nach und nach aus der Eihülle schälte und habe auch Fotos von dem Baby in der Nährlösung gemacht, die es umschlossen hat.  Und natürlich auch Fotos davon, wie die kleine Babyschnecke sofort auf Futtersuche geht. Leider sind die Bilder etwas unscharf...

rechts Tylomelania Baby in Nährlösung

frisch geschlüpftes Tylomelania Baby

1 Tag altes Tylomelania Baby neben ausgewachsener Schnecke

1 Tag altes Tylomelania Baby neben ausgewachsener Schnecke

 

Generelles:
Tylomelania orange sind derzeit wissenschaftlich noch unbestimmt und stammen aus dem Pososee (Sulawesi). Dort leben sie bei einer Temperatur von ca. 27 - 30°  einem pH-Wert von etwa 8 – 8,5 auf steinigem Grund. Sie sind getrennt geschlechtlich, die Muttertiere entlassen etwa alle 6 - 8 Wochen ein einzelnes Jungtier, das eine perfekte Miniatur-Ausgabe der Eltern darstellt und nur anfangs etwas blasser gefärbt ist.

Leider sind die genauen Wasserwerte des Pososee`s derzeit nicht bekannt, man geht aber davon aus, dass es sich um einen Weichwassersee handelt, da auch die anderen Seen des Gebietes sehr weiches Wasser enthalten. Alle Seen des Gebietes zeichnen sich durch besonders sauberes, klares Wasser mit hohem ph-Wert aus. Hier die Werte von 2 anderen Seen des Gebietes:

  Matanosee: Towutisee:
Leitwert: unter 230 unter 200
ph-Wert: ca. 8,6 ca. 8,3
Gesamthärte:
Karbonathärte:
Temperatur: 29 Grad 30 Grad

 

Beckeneinrichtung und Wasserwerte:
Anfangs waren alle meine Sulawesi Aquarien fast identisch in Bezug auf Einrichtung, Wasserwerte und Temperatur. Ich bin fälschlicherweise davon ausgegangen, dass alle Tylomelania Arten in demselben Gebiet vorkommen und somit Wasserwerte, Temperatur, Nahrung und Verhalten sehr ähnlich sind. Ein absoluter Irrtum! Mittlererweile habe ich große Unterschiede im Verhalten und in den Bedürfnissen der verschiedenen Tylomelania Arten festgestellt und jedes Becken daher individuell an die jeweilige Art angepasst.

Im Fall der Tylomelania spec. orange habe ich den Leitwert von anfangs 700 ganz langsam auf 300 reduziert und festgestellt, dass meine Tiere bei einem Leitwert von ca. 350 - 450 deutlich aktiver und vermehrungsfreudiger sind als beim hohen Anfangswert von 700.

Da ich von anderen Haltern auch gelesen hatte, dass sie die Tiere bei deutlich geringeren Temperaturen halten, habe ich auch die Temperatur langsam runtergefahren. Allerdings fand ich die Tiere dann nicht mehr so aktiv. Die Tylomelania orange ist bei mir eine extrem zeigefreudige und aktive Schnecke, ganz im Gegensatz zu anderen Tylomelanias. Durch langsames Verändern der Wasserwerte und der Temperatur habe ich nun für mich den besten Wert ermittelt. Meine Lieblinge sind am aktivsten bei einem Leitwert von etwa 350 - 450 µs und einer Temperatur von 26 - 27 Grad. Der ph-Wert liegt je nach Aquarium bei 8,0 – 8,4. Anfangs hatte ich auch bei den "orange" in den dunkleren Ecken Sand, Heilerde und ähnliches eingebracht, damit die Schnecken selbst wählen konnten, auf welchem Substrat sie sich gerade bewegen wollten. Da meine orange das aber im Gegensatz zu anderen Arten weniger angenommen haben, habe ich diese Zone wieder reduziert und gebe heute hinter den Wurzeln lediglich Heilerde zu.

In allen Tylomelania Aquarien habe ich als Bodengrund schwarzen bzw. braunen Dennerle-Kies verwendet, allerdings nicht den teuren Crystal Red Kies, sondern die günstigere Alternative von Hornbach.

neu eingerichtetes Sulawesi Aquarium

Die Lava-Rückwände habe ich selbst aus Macrolonglas (wie Plexiglas), Aquariensilikon und einzelnen Lavabrocken gebastelt. Die Lavasteine gibt es bei Hornbach am günstigsten in der Garten-Abteilung bei Grillzubehör. In jedem Becken ist ein HMF (Hamburger Mattenfilter) mit garnelensicher gemachtem Außenfilter verbaut.

Lavarückwand und selbstgebauter HMF

Außerdem hab ich „Mineral Stones“ von Shirakura, sowie Holz, Tonröhren, Laub und Mooskugeln in den Aquarien. Dunklere Ecken und Röhren, in die sich die Tiere als Schutz vor zu viel Licht zurückziehen können, werden auch immer wieder aufgesucht und sind meiner Meinung nach sehr wichtig. Die Mooskugeln waren eigentlich nur Deko-Element, werden aber von den Babys gut angenommen und oft abgegrast.

 

Verhalten:

Im Gegensatz zu Berichten anderer Halter bzw. im Gegensatz zu anderen Arten der Tylomelania (Teufel, Patriarchalis...) graben sich meine „neon“ nicht in den Bodengrund ein, sondern sind fast immer präsent. Man kann sie sehr leicht anlocken, auch ein Umsetzen für ein Foto oder die Umgestaltung eines Beckens nehmen sie nie lange übel. Sie ziehen sich nur wenige Sekunden zurück und schnecken aber kurz darauf wieder weiter.

 

Das lieben meine „Neon-Tylos“:

Ihr absolutes Lieblingsfutter ist getrockneter Hokkaido-Kürbis. Die Herstellung beschreibe ich unter „Futtersorten“ genauer. Falls ihr keine Zeit und Lust auf das Gepantsche habt, habe ich auch immer welchen abzugeben. Seemandelbaumrinde und Laub (Esskastanie, Seemandelbaum, Walnuss) wird auch sehr gut angenommen. Besonders an der Seemandelbaumrinde sind eigentlich ständig Babys und auch ausgewachsene Exemplare zu sehen. Natürlich dauert es im Gegensatz zu den Blättern länger, doch auch die Rinde wird komplett gefressen. Auch Brennessel, Zucchini, Karotte, Banane und mein ursprünglich für Garnelen hergestelltes Spirulina-Futter lieben sie. Gern wühlen sie sich mit dem knuffig aussehenden „Rüssel“ durch den Mulm. Sie fressen auch Algenaufwuchs, Gemüse aller Art, Trockenfutter, Staubfutter und Tabs. An Frostfutter gehen sie bei mir nicht aktiv. 

Da die Schnecken als "Filitrierer" beschrieben wurden, gebe ich regelmäßig reines Spirulinapulver, Staubfutter (besonders sera) oder gelöste Futtersorten mit hochwertigen Pflanzenanteilen (Kelp, Spirulina, etc.) ins Becken. Hierfür mahle ich diverse Futter mit einem Mörser und löse diese in einer kleinen Wasserflasche durch Schütteln weiter auf. Im Kühlschrank aufbewahrt hält sich diese Mischung dann einige Tage und kann täglich in kleinen Schlucken zugegeben werden. Staubfutter streue ich einfach auf die Wasseroberfläche. Auch feine Heilerde gebe ich regelmäßig zu. Ich habe häufig beobachtet, das die Tylos zu verschiedenen Tageszeiten kleine „Päuschen“ einlegen, aber sofort wieder herumschnecken nachdem ich Staubfutter ins Aquarium gebe. Ich füttere daher morgens Staubfutter damit sie sich viel bewegen und abends Kürbis und mein Spirulina-Futter, damit sie an einer Stelle bleiben und ich sie besser beobachten kann. Hier ein Bild der Tylos im "Spiruliarnebel", da sind alle wach :-)

Tylomelania im Spirulinanebel


Vermehrung, Zucht und Geburt:

Als Vorderkiemer sind sie getrenntgeschlechtlich angelegt, es gibt Männchen und Weibchen. Eine noch nicht bewiesene Vermutung ist, dass das Männchen das Weibchen durch die Übergabe eines Spermatophors befruchtet. Die Jungtiere wachsen dann bis zu ihrem Schlupf im Brutbeutel des Weibchens heran. Bei der Geburt dreht sich die Mutterschnecke auf die Seite. Nach kurzer Zeit erscheint ein weißes, weiches Ei unterhalb der Mündung, an der Stelle, an der die seitliche (rechts) Fortpflanzungsrinne endet. Das Ei wird über die Rinne bis zum Fuß der Schnecke geführt. Unten angekommen löst sich die weiße Masse auf und eine kleine, perfekte Miniaturausgabe „schneckt“ sofort auf Futtersuche. Ich habe von meiner Zuchtgruppe nun schon viele Babys bekommen und hatte das Glück, 3 Geburten zumindest zum Teil beobachten zu können - ein Erlebnis! Allerdings habe ich auch immer wieder Eier im Aquarium gefunden, die sich nicht oder nur sehr langsam aufgelöst haben. Diese enthielten aber keine Schnecken. Es sind wohl unbefruchtete Eier. Warum diese entstanden sind konnte mir aber bisher noch keiner sagen. Ich weiß nur aus Erzählungen anderer Halter dass diese das Phänomen auch beobachten konnten und auch hin und wieder solche weiße Kugeln/Eier im Becken hatten.

Anfangs war die Vermehrungsrate nicht so gut. Als Beispiel haben die Tylomelania orange 2010 vom 1. Februar zum 1. März insgesamt 9 Babys bekommen. In den Monaten davor konnte ich durchschnittlich nur 3 Geburten pro Monat feststellen.

Die gute Vermehrung der letzten Monate führe ich nicht zuletzt auf die optimierten Haltungsbedingungen zurück, denn seit ich diese beibehalte bekommen die Tiere laufend Nachwuchs. Hier noch ein paar Bilder meiner Lieblinge:

ausgewachsene Tylomelania orange beim Wühlen durch ein aufgelöstes Spirulina-Tab

David und Goliath bei den Tylos

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