Wirbellosenwelt

 

Der orange Zwergkrebs, auch CPO genannt, ist eine Zuchtform des Cambarellus patzcuarensis (Nominatform). Dieser kommt ausschließlich im Lago de Pátzcuaro, einem Kratersee im Bundesstaat Michoacán in Mexiko vor. Bei ausreichendem Platzangebot sind CPO`s relativ friedlich und können mit größeren Schnecken, Garnelen und kleinbleibenden, friedlichen Fischen vergesellschaftet werden. Allerdings ist bei Vergesellschaftung darauf zu achten, dass der Jagdtrieb der frechen Krebse durch abwechslungsreiche Ernährung minimiert wird. Trotzdem kann nie garantiert werden, dass keine schwachen oder kranken Tiere erbeutet werden. Ich persönlich empfinde dies aber als natürliche Selektion wie sie auch in der Natur vorkommt und denke auch, dass dies mit ein Grund dafür ist, dass ich keine Krankheiten in den Aquarien habe. 

Cambarellus patzcuarensis orange

 

Im Ursprungshabitat wurde ein Leitwert von etwa 800 µS gemessen, die Gesamthärte schwankt zwischen 12,5 und 18 dGH. Die Karbonathärte ist unbekannt. Der ph-Wert ist sehr hoch, bei etwa 9, die Krebse kommen aber auch mit deutlich niedrigeren Werten ab 6,8 super zurecht. Die Temperatur des Sees schwankt je nach Saison zwischen 15 und 25 Grad. In meinen Aquarien liegt der Leitwert bei etwa 600 - 700 µs. Durch Erlenzäpfchen und Laub ist mein ph-Wert deutlich niedriger als im Ursprungs-Habitat. Das macht aber nichts, da es sich um nachgezüchtete Tiere handelt, die bei diesen Werten aufgewachsen sind. Außerdem sind die Krebse bei den Wasserwerten sehr anspruchslos, es sollte nur darauf geachtet werden, dass ein regelmäßiger, nicht zu extremer Wasserwechsel durchgeführt wird und das Wasser stauerstoffreich und frei von Nitrit/Nitrat ist.

Sie benötigen viele Verstecke und Röhren, da CPO`s untereinander schon kleine rauflustige Rabauken sein können und sich ein Wurf so selbst sehr schnell dezimieren kann. Als Beckeneinrichtung bringe ich daher so viele Tonröhren wie möglich im mittleren Aquarienbereich ein und lege Wurzeln darüber, um sie optisch etwas zu verstecken. Teile von gelochten Ziegelsteinen oder Filterröhrchen wie Siporax lege ich zwischen die Pflanzen im hinteren Bereich. So sind sie nicht sichtbar, bieten aber frisch geschlüpften Tieren und kleineren Jungtieren Schutz.

 

Beckeneinrichtung:

CPO Krebse klettern gern, daher sollte man Steine, Wurzeln und Pflanzen verwenden, die es ihnen ermöglichen dieser Vorliebe nachzugehen. Allerdings muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Aquarium komplett abgedeckt und alle Öffnungen sicher verschlossen sind. Zu oft liest man von "ausgebüxten" Krebsen, die nach einer Erkundungstour im Zimmer jämmerlich unter einem Schrank vertrocknet sind und oft erst nach Wochen gefunden wurden.

Ich halte meine CPO`s in verschiedenen Garnelenaquarien (Neocaridina Yellow Fire, Red Fire, Sakura), meist in einer Geschlechterverteilung von 1 Männchen auf 2-3 Weibchen, damit die Männchen die Weibchen nicht zu sehr bedrängen. Als Bodengrund habe ich schwarzen Kies verwendet und viele Röhren in verschiedensten Größen unter, bzw. hinter die Wurzeln eingebaut. Auch in der dichten Bepflanzung habe ich Verstecke aus Siporax Tonröhren und gebrochenen, gelochten Ziegelsteinen integriert. Jedes Aquarium enthält außerdem „Mineral Stones“ von Shirakura, Seemandelbaumrinde, Mooskugeln, Laub (Buche, Walnuss, Esskastanie, Seemandelbaum, Kirsche,...) und Erlenzäpfchen. 

Damit sich eiertragende Weibchen gut verstecken können, benötigen sie einseitig geschlossene Bambus- oder Tonröhren, die einen Innendurchmesser von 10·- 15 mm haben und mindestens 5 cm lang sein sollten. Man kann auch offene Röhren verwenden und so verbauen, dass sie durch einen Stein, Schieferplatten oder auch einfach nur mit einem Stück Filterschwamm verschlossen sind.

 

Ernährung:

Orange Zwergkrebse sind omnivor (Allesfresser). Als Futter nehmen sie Laub (Buche, Eiche, Ahorn, Obst-oder Nussbäume...), Gemüse (Erbsen, Salat, Brennessel, Hokkaido, Gurke…), Fisch, Lebendfutter und Fertigfutter für Krebse oder Welse an. Die Ernährung von CPO Babys sollte sehr proteinreich (> 50 %) sein und nach etwa 2 Monaten auf eine etwas pflanzlichere Ernährung umgestellt werden. Besonders gern jagen und fressen meine CPO lebende Artemia, sie nehmen aber auch jedes Frostfutter, Spirulina-Tabs oder mein selbstgemachtes Garnelenfutter super an. Da diese Futtersorten das Wachstum stark beschleunigen wechsle ich mit Gemüserationen (Gurke, Zucchini, Hokkaido-Kürbis, Brennessel, etc.) ab, um das Risiko von Häutungsproblemen zu minimieren. Adulte Krebse sollte man nicht zu proteinreich ernähren, da dies zu Häutungsproblemen und damit zum Tod führen kann.

Ein erhöhter Jagdtrieb kann meist durch die Ernährung mit etwas proteinreicherem Futter reduziert werden. 

 

Geschlechtsunterschiede und Vermehrung:

Die Geschlechtsunterschiede bei den CPO sind ziemlich klar zu erkennen, wenn es sich um gleichaltrige Tiere handelt. Die Weibchen sind nämlich mit ca. 4 - 4,5 cm größer und "bulliger" als die Männchen (3 - 3,5 cm). Bei seitlicher Ansicht (oder beim Umdrehen) kann man ab einer Größe von etwa 1,5 cm die V-förmigen Begattungsgriffeln (Gonopoden) beim Männchen erkennen.

Bei Weibchen fehlen diese, stattdessen verfügen sie über eine kleine Öffnung (Annulus ventralis), in die das Männchen das Spermapaket gibt. Die Paarung läuft ziemlich "unromantisch" ab, meist dreht das Männchen das Weibchen mit Gewalt auf den Rücken. Nicht selten verlieren die Weibchen hierbei auch mal Gliedmaßen, die aber zum Glück wieder nachwachsen. Die Befruchtung der Eier erfolgt erst, wenn das Weibchen die Eier ausstößt. Sie heftet diese an ihre Schwimmfüße (Pleopoden), mit denen sie von nun ab ständig fächelt um ein Verpilzen der Eier durch Sauerstoffzufuhr zu verhindern.

Unbefruchtete oder verpilzte Eier werden vom Weibchen selbst aussortiert. Junge Weibchen brauchen aber manchmal einen Anlauf, um das Pflegen und Sortieren der Eier perfekt und erfolgreich zu schaffen. Daher nicht verzweifeln, wenn der erste Versuch nicht klappt. Meist klappt es dann schon beim zweiten Versuch.

Je nach Alter/Zustand des Weibchens kann sie zwischen 20 und 65 Eier haben. Abhängig von der Temperatur schlüpfen die Babys nach etwa 4 – 5 Wochen. Nun benötigen sie sofort eine Vielzahl von Verstecken und Laub, um nicht dem Hunger ihrer größeren Geschwister zum Opfer zu fallen.

CPO Weibchen können alle 2-3 Monate Eier tragen, wer eine Nachwuchsschwemme befürchtet, sollte daher lieber nur ein Einzeltier oder Tiere gleichen Geschlechts halten.

Ich setze tragende Weibchen in separate Aquarien um, in denen meist nur Posthornschnecken und wenige Neocaridina Garnelen befinden. Hier können sie sich in Ruhe um die Pflege der Eier kümmern.

Nach 3 - 5 Wochen schlüpfen winzige Babys, die sich aber noch bis zu einer Größe von 3-4 mm am Hinterleib ihrer Mutter festhalten und sich dann nach und nach lösen. Nachdem auch das letzte Baby abgesetzt wurde, entferne ich die Mama aus dem Aquarium. Nun sind regelmäßige, kleine Wasserwechsel, viel Laub, Mulm und Verstecke besonders wichtig. Die Jungkrebse häuten sich je nach Futter und Wachstum relativ oft und sind kurz nach der Häutung besonders gefährdet. Filterröhrchen, Stücke einer Japanmatte oder Bruchstücke von feingelochten Ziegelsteinen bieten hier gute Versteckmöglichkeiten. 

Tragendes Weibchen vom Cambarellus patzcuarensis orange

Oranges Zwergkrebs-Weibchen eitragend

CPO Eier

CPO Babys kurz vor dem Absetzen

Hier ein paar Bilder, leider in etwas schlechter Qualität. Leider ohne Makro fotografiert und ich wollte die kleinen auch nicht stressen oder gar umsetzen...

CPO Babys

CPO Babys etwa 1 Tag frei schwimmend

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